Das Leben und das Schreiben.
Stephen King, Heyne 2002


Der King des Horrorgenres einmal ganz anders. Persönlich und Privat.

Silbern glänzt einem Umschlag aus dem Bücherregal entgegen. Die Kontur eines Gesichtes blickt fragend daraus hervor. Der Meister persönlich.
Zum einen ist das Buch eine Art Autobiographie. So werden eingefleischte Kingfans viel über ihn erfahren. Er schildert seine Kindheit, spricht über seine Collegezeit, diverse Jobs, seine Lehrertätigkeit, Alkoholsucht und Drogenexzesse, der schwere Unfall 1999. Zum anderen schreibt er hier über "das Schreiben". Es sollte ursprünglich eine "Anleitung" für angehende Schriftsteller werden. So ist es auch konzipiert, allerdings macht der autobiographische Teil fast den größten Teil des Buches aus. Da dieses Leben aber so stark mit dem Schreiben verwoben ist, sind die Übergänge fließend. Es liest sich ebenso flüssig und spannend wie seine literarischen Werke. Gewürzt mit einer guten Priese Humor wird es an keiner Stelle langweilig.

King selbst steht dem "Schreibunterricht" eher kritisch gegenüber. Insofern birgt das Buch auch ein gewisses Paradoxon in sich. Über mehrere Seiten berichtet er über seine Erfahrungen, die er in "Schreibkursen" gemacht hat. Sein Fazit liest sich überaus süffisant. Ironie mit einer guten Mischung Objektivität. Dennoch haben diese Versuche, das Schreiben zu unterrichten, an Schreibkursen teilzunehmen, für ihn eine gewisse Berechtigung.
"Wo, wenn nicht in Schreibkursen, ist es denn sonst erlaubt, den größten Teil der Zeit in seiner kleinen Traumwelt zu verbringen? Trotzdem: Brauchen Sie wirklich eine offiziell ausgestellte Erlaubnis, um sich in die Traumwelt zu begeben? Muß Ihnen wirklich erst jemand einen Aufkleber mit der Aufschrift SCHRIFTSTELLER anpappen, damit Sie es selbst glauben? Hoffentlich nicht."

Ansonsten sind die "Schreiberfahrungen", von denen King berichtet, für jeden angehenden Schriftsteller eine wahre Goldgrube. Auch über die Vermarktung des fertigen Buches erfährt man hier einiges. Natürlich muß man dabei beachten, daß der Amerikanische Literaturmarkt ein anderer ist als der Europäische. So haben beispielsweise Literaturagenten in Deutschland noch nicht den Stellenwert, den sie in Amerika einnehmen. Trotzdem sind viele gute Tips dabei. Der größte Pluspunkt dieser "Anleitung" ist aber, daß sie ungemein inspirierend wirkt. So möchte man sich beim Lesen am liebsten sofort an den Schreibtisch setzten und "schreiben".

Im letzten Teil des Buches berichtet King über den schweren Unfall, der 1999 sein Leben radikal verändert hat. Diese Schilderung liest sich wie ein "echter" King. Er selbst spricht davon, daß er das Gefühl hatte, hier von seinen Geschichten eingeholt worden zu sein.

Fazit:
Für Kingfans ein sehr interessantes Buch, wenn Sie "viel" über das Leben ihres Meisters erfahren wollen. Es lohnt sich.
Für jeden Schriftsteller ist dieses Buch ein absoluter Hochgenuß und das Geld auf alle Fälle wert!!! Kauft es! Ihr werdet es nicht bereuen.

Broschiert - 330 Seiten - Heyne
Erscheinungsdatum: März 2002
ISBN: 3453199278
EUR 8,95

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