Zuhause. Roman.
Kristof Magnusson, Kunstmann, August 2005


Island ohne Elfen

"Matilda und ich sind zusammen zur Grundschule gegangen. Ich war der einzige Junge, der sich nicht für Fußball interessierte, und sie das einzige Mädchen, das nicht Mutter-Vater-Kind-und-Pferd spielen wollte. Deshalb spielten wir zusammen Taxifahrer und Fahrgast, Koch und Kellner, Popstar und Fan. Ich war der Taxifahrer, der Kellner, der Fan.
Heute war Matilda eine Art wandelnder Expo-Pavillon. Für das isländische Fremdenverkehrsamt zeigte sie Journalisten die Insel, wusste immer, wo der nächste Wasserfall war, und konnte von dem einen oder anderen Björk-Vorfall im Reykjaviker Nachtleben berichten. Alles, was die Menschen im Ausland über Island wussten, wussten sie von Matilda. Ein einfacher Beruf war das nicht."

Eigentlich haben alle erwartet, dass Matilda und Larus einmal ein Paar werden würden. In der Grundschule waren sie unzertrennlich. Dann zog Larus Familie nach dem Tod der Mutter nach Hamburg und obendrein stellte sich heraus, dass Larus schwul war. Aber wenn sie auch kein Paar werden konnten, so konnte er immerhin Matilda neue Lieben vermitteln. Auf die dritte ist er besonders stolz. Svend, ein Schwede und diesmal scheint es zu klappen. Es ist Dezember und Larus fliegt aus Deutschland nach Island, dort werden sie zu viert Weihnachten feiern. Matilda und Svend, Larus und Milan.
Doch es kommt anders. Denn Matilda hat mit Svend Schluss gemacht, mit Milan gibt es etwas, dass Larus Matilda nicht erzählt und obendrein stellt sich heraus, dass Larus im Einwohnermeldeamt als tot gilt. Dann kommt noch der alte Klassenfreund und -feind Dagur hinzu, der Sprössling der reichsten Familie Islands. Der hasst seine Eltern und lebt mit dem Helden einer alten isländischen Saga zusammen. Bald zerstiebt die angestrebte idyllische Weihnachtsfeier im eisigen Sturm.
Magnuson schreibt Theaterstücke und vor allem seinen Dialogen merkt man das an. Witzig und treffend sind sie, überraschen den Leser stets aufs neue. Auch sonst ist das Buch eine Entdeckung. Island von einer ganz anderen Seite, die Clubbing-Szene Reykjaviks wie auch die alten Sagas bekommen plötzlich ein Gesicht, das der Leser so nicht erwartet hätte. Wer glaubt, alle Absolventen des Leipziger Literaturinstituts würden gleich schreiben, gekonnt, aber inhaltslos, dem beweist Magnusson das Gegenteil.

Fazit: Ein Roman um Island, das Erwachsenwerden und Geheimnisse, die man erst entdeckt, wenn man dreißig geworden ist. Lesenswert.

Homepage des Autors

Über den Autor: Kristof Magnusson, geboren 1976 Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Universität Reykjavik. Seine Komödien "Der totale Kick" und "Männerhort" wurden in Berlin, Dresden, Köln und Bonn mit Erfolg aufgeführt. "Männerhort" (erschienen im Verlag der Autoren) lief vom 27. November 2005 bis Februar 2006 in der Komödie am Kurfürstendamm mit riesigem Erfolg. Kristof Magnusson lebt in Berlin und Langenthal (CH). "Zuhause" ist sein erster Roman.

Zuhause, Kristof Magnusson, Roman, Kunstmann, August 2005
ISBN 388897402X, gebunden, 314 Seiten, Euro 19,90

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