Zeit der Krähen. Fantasy.
George R. R. Martin, Blanvalet, Juni 2006


Das Lied von Eis und Feuer, Band 7

"'Einen Drachen würde ich auch gern mal sehen.' Roone war der Jüngste unter ihnen, ein vierschrötiger Junge, dem zwei Jahre fehlten, bis man ihn einen Mann nennen durfte.
Und ich würde gern in Roseys Armen schlafen, dachte Pate. Er rutschte unruhig auf der Bank hin und her. Morgen schon könnte das Mädchen ihm gehören. Ich gehe mit ihr fort aus Oldtown, über die Meerenge, in eine der Freien Städte. Dort gab es keine Maester, niemanden, der ihm Vorhaltungen machen könnte."

Das Lied von Eis und Feuer ist schon lange Kult unter den Fantasylesern und nicht nur dort. Wohl kaum ein Autor hat so lebendig und überzeugend eine Welt geschaffen und sie mit einer derartigen Vielzahl von lebendigen, glaubwürdigen Figuren bevölkert. Dabei wechselt er jedes Kapitel wieder die Perspektive auf eine andere Person. Ganz, ganz großes Tennis, wie ein Rezensent schrieb.

Doch auf den neuen Band mussten die Fans diesmal lange warten, immer wieder wurde er angekündigt, kam aber dann doch nicht. Jetzt ist er da.

Die großen Schlachten aus Band 6/7 sind vorbei, Ruhe ist eingekehrt in Westerors. Trügerische Ruhe, denn wir sitzen im Auge des Sturm. Dieser Band bietet weniger Action, dafür sehr viel Innenansichten der Figuren. Die Königin Cersei, die das Reich für ihren achtjährigen Sohn regieren will, von Machtgier zerfressen, wird immer misstrauischer und wir erleben, wie sie nicht mehr zwischen Freund und Feind zu unterscheiden weiß. Jaime, ihr Zwillingsbruder, der sich immer mehr von ihr abwendet. Der Prophet des ertrunkenen Gottes, der einen neuen König auf dem Königsthing der Iron Islands wählen lassen möchte. Brienne auf der Suche nach Sansa, Sansa zusammen mit Littlefinger. Samwell und seine Ängste.

Was sich da in den Personen aufbaut, wird, kein Zweifel, bald in neuen Schlachten und Intrigen enden. Bei George R. R. Martin entwickeln sich die Geschichten aus den Personen, ihren Wünschen, Motiven, Verletzungen. Das macht die Faszination dieser Bücher aus.

Wobei hier nur ein Teil derer auftauchen, die wir in den vorigen Bänden erlebt haben, der Autor verspricht uns aber, dass er die anderen nicht vergessen hat. Schließlich wird es noch die Bände 8-10 geben.

Das Buch kann man nur lesen, wenn man die vorigen Bände kennt und wer sie nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Wer englische Romane lesen kann, sollte vielleicht zu den Originalausgaben greifen, nicht weil die Übersetzung schlecht ist, sondern weil Martin einen ganz eigenen, lesenswerten Stil hat.

Fazit: Spannende Fantasyunterhaltung vom Feinsten, auch wenn diesmal mehr die Personen und ihre Entwicklung im Focus stehen, weniger die Handlung.

Leseprobe
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Über den Autor: George R. R. Martin wurde 1948 in Bayonne, New Jersey geboren. Er begann bereits sehr früh mit dem Schreiben und verkaufte seine Geschichten Nachbarskindern. Er studierte Journalismus an der Northwestern Universität in Illinois, verfasste verschiedene Kurzgeschichten und gewann etliche Nebula und Hugopreise, ging später nach Hollywood und arbeitete unter anderem für "Twilight Zone" und "Beauty and the Beast". Heute lebt er in Santa Fe, New Mexiko.

Zeit der Krähen, George R. R. Martin, Fantasy, Blanvalet, Juni 2006
Originaltitel "a Feast of Crows", aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg
ISBN 3442243505, TB, 570 Seiten, Euro 13,00

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