Venuswurf. Historischer Roman.
Tanja Kinkel, Knaur Verlag, Februar 2006


Cäsaren, Zwerge und Intrigen

Tertia ist Tochter eines Bauern im alten Rom zur Zeit Kaiser Augustus. Außerdem ist sie zwergwüchsig. Und sie möchte Rom sehen, die große Stadt, über die sie soviel gehört hat. Hier im Dorf in den Sabinerbergen gibt es nichts als Armut und Arbeit, selbst die letzte Kuh hat ihr Vater schon verkaufen müssen. Jetzt verkauft er seine Tochter und Tertia kommt nach Rom - als Sklavin wird sie auf dem Markt feilgeboten und Lycus, der Besitzer einer Garküche und eines Bordells kauft sie. Sie soll in seiner Schauspieltruppe für Heiterkeit und Amüsement sorgen.

So lernt Tertia in der Suburba, dem dichtbevölkerten "Downtown" der Millionenstadt das alltägliche Leben in Rom kennen. Später verschenkt ihr Besitzer sie an seine Patronin Julilla, der Enkelin des Augustus. Mutter und Bruder der Julilla wurden bereits verbannt, Julilla will ihre Verwandten zurück nach Rom holen und spinnt deshalb eine Intrige, in der Tertia eine wichtige Rolle spielen soll. Doch ...

Tanja Kinkel lässt uns in ihrem Roman das antike Rom wiederauferstehen, kenntnis- und detailreich beschreibt sie das Alltagsleben der einfachen Leute in der Suburba und der Aristokratie auf den Hügeln des Palatins. Der Leser erfährt eine Menge Details über das antike Rom und darüber, wie seine Einwohner gelebt haben.

Obendrein lernen wir die Intrigen und die Politik unter Augustus kennen, dessen Politik die Bürgerkriege beendete und dem römischen Reich die "Pax Romana" brachte. Aber der Princeps erließ auch rigide Sittengesetze, die den Moralkodex des alten Roms per Gesetz wieder einführen sollte.

Vor allem in den ersten hundertfünfzig Seiten wirkt der Roman sehr lehrbuchhaft, was geschieht, geschieht offensichtlich, um dem Leser historische Details zu vermitteln und nicht selten ist der erhobene Zeigefinger der Autorin am Werke, der uns nicht nur alles erklärt, sondern auch, wer und wo es Tertia erzählt hatte und warum. Manchmal ist das mühsam zu lesen.

Die richtige Geschichte beginnt dann mit der Intrige Julillas, in die auch Tertia gegen ihren Willen verwickelt wird und deren Einfluss sich bis ins ferne Germanien erstrecken soll. Dieser Teil ist weit spannender und stringenter erzählt.

Vor allem die liebevoll gezeichneten Nebenfiguren geben dem Roman Farbe; der Maler Arellius, der Dichter Ovid, der Zwerg und ehemalige Gladiator Conopas, die Friseurin Helena; sie alle stehen dem Leser leibhaftig vor Augen. Dagegen wirkt die Heldin Tertia manchmal fast ein wenig blass, zu sehr benutzt die Autorin sie, um ihr eigenes Wissen und ihre Meinung dem Leser kundzutun.

Fazit: Lebendiger Roman aus der Zeit des antiken Roms unter Augustus, der dem Leser eine Fülle von Details und historischem Wissen vermittelt, spannend, aber manchmal auch ein wenig lehrbuchhaft.

Leseprobe
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Informationen über die historischen Hintergründe

Über die Autorin: Tanja Kinkel wurde 1969 in Bamberg geboren, erhielt mit 18 ihren ersten Literaturpreis, studierte Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaften und promovierte über Lion Feuchtwanger. Sie schrieb zahlreiche historische Romane, von denen viele übersetzt wurden. Ihre Romane spielen in fast allen historischen Epochen. Tanja Kinkel lebt als freie Autorin in München und hat auch die Kinderhilfsorganisation "Brot und Bücher" gegründet (www.brotundbuecher.de).

Venuswurf, Tanja Kinkel, historischer Roman, Knaur Verlag, , Februar 2006
ISBN 3426662108, gebunden, 484 Seiten, Euro 19,90

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