Tschador. Roman.
Murathan Mungan, Blumenbar, September 2008


»Obwohl sich in der Ferne die kahlen Berge zum Verzweifeln ähnlich sehen, die niedrigen Hügel denkbar fahl wirken, der Sand zu fast gleich hohen Dünen zusammengelegt ist und die staubige Sonne alles, was er bisher gesehen hat, mit der gleichen Ungerührtheit versenkt, fühlt Akbar doch, dass er seinem Land näher kommt, dass es nicht mehr weit ist bis zur Grenze, doch es sind nicht vertraute Wegzeichen, an denen er dies erkennt, sondern die Untiefen seines Herzens, an die er nicht einmal eine Erinnerung besitzt.«

Jahre lang war er im Exil, in der Ferne. Jetzt kommt Akhbar zurück in seiner Heimat. Doch die ist fremd geworden. Es gab eine Revolution, die Frauen müssen den Tschador tragen, die alten Freunde sind fort oder im Krieg gefallen, seine Mutter und seine Schwester nicht auffindbar. Es heißt, die Mutter habe wieder geheiratet, das verlange das Gesetz.

Akhbar ist verzweifelt, vor allem das Fehlen der Frauen macht ihm zu schaffen. Die Hälfte des Lebens ist weg. Wird Verhüllung erst zur Moral gemacht, dann geht es immer weiter so, nur finsterer und finsterer, sagt ihm eine Frau. Das Land könnte der Iran sein oder ein anderes islamisches Land. Genannt wird der Name nie.

Eigentlich dürfte es ein solches Buch gar nicht geben. Dünn wie eine Novelle und das in den Zeiten dicker Wälzer, eine poetische Parabel, doch Parabeln sind out. Wie soll man dieses Buch einordnen? Am besten gar nicht. Denn es ist etwas Besonderes. Weit ab von dem üblichen, und dennoch, der Autor ist ein Star zumindest in der Türkei.

Sicher kein Buch für jeden, aber ein Buch für jeden, der einmal etwas anderes lesen will. Schade nur, dass der Verlag keine Leseprobe anbietet.


Autorenhomepage (türkisch)

Tschador, Roman, Murathan Mungan, Blumenbar, September 2008
Originaltitel: Çador , aus dem Türkischen von Gerhard Meier
ISBN-13: 978-3936738414, gebunden, 127 Seiten, Euro 15,90

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