Die Teeprinzessin. Jugendroman.
Hilke Rosenboom, cbj, September 2007


»Ping, ping, ping, ping. Das Klopfen des Silberhammers klingelte in ihren Ohren, noch bevor sie die Augen aufgeschlagen hatte. Draußen glitzerte eine milchige Sommersonne und schickte ihre Strahlen durch die Lochstickereien der weißen Gardinen bis in ihr Gesicht. Trotz der frühen Stunde war es schon warm. Winzige Staubkörnchen flirrten durch die Kammer. Unter dem dicken Federbett mit dem fast starren weißen Leinenbezug war es kaum noch auszuhalten. Betty Henningson reckte sich und stellte zufrieden fest, dass sie bereits mit der ganzen Fußsohle das hölzerne Fußteil des Bettes berühren konnte.
Sie streckte die Arme aus und drückte fest gegen das Kopfteil, so als wolle sie das Bett auseinander drücken. Es knackte leise.«

Wir schreiben 1859 in Emden und die vierzehnjährige Betty lebt bei ihrem Vater, einem Silberschmied. Die Mutter ist früh gestorben und seitdem gehen die Geschäfte des Vater nicht mehr gut. Ihr bester Freund ist der Nachbarjunge, dessen Vater eine Teehandlung besitzt. Doch im Teehaus Asmussen wird der Tee knapp. Denn der Opiumkrieg behindert den Chinahandel. Betty und ihr Freund belauschen die Unterhaltung eines geheimnisvollen Fremden, der einen geheimnisvollen neuen Tee verkaufen will. Aus Darjeeling! Dabei ist das doch ein Ort hoch im Himalaja und noch nie hat man gehört, dass dort Tee wachsen könnte!

Dann fällt Betty beim Lauschen aus dem Speicher und dem geheimnisvollen Fremden direkt in die Arme. Eine Kerze entzündet das Teehaus, das bis auf die Grundmauern abbrennt und alle halten sie für die Täterin, die beim Lauschen mit ihrer Kerze das Haus angezündet habe.

Betty flieht nach Hamburg, wird dort Haustochter und stellt fest, dass das bloß ein anderer Name für ein schlechtbezahltes Dienstmädchen ist. Auch hier trifft sie wieder den Fremden, sie flieht nach Kanton, um als Junge verkleidet Tee einzukaufen, landet dann doch in Darjeeling und immer wieder kreuzt der geheimnisvolle Fremde ihre Wege.

Das Buch ist eine farbige Abenteuergeschichte, aber noch viel mehr. Denn wir erfahren alles über den Tee im neunzehnten Jahrhundert, darüber, dass manche gar von einer „Teesucht“ sprechen, die so gefährlich sei wie Opiumsucht, andere hoffen, dass man mit Tee die Opiumssucht besiegen könne oder den Alkoholismus. Tee, vor allem guter Tee, ist wertvoll wie Gold und man spricht gar von einer chinesischen Teemafia, der man besser nicht in die Quere kommen soll. Den geheimnisvolle Darjeeling verlachen anfänglich alle, aber bald entpuppt er sich als begehrtes, neues Spitzenprodukt.

Daneben bevölkern eine Menge schillernder Nebenfiguren die Handlung. Da ist die alte Dame Assmusen, die so gar in nicht unser Bild der braven Biedermeier-Hausfrau passt und zeigt, dass auch das 19 Jahrhundert sehr eigenwillige Frauengestalten kannte; der junge Schnösel, der meint, dass alle weibliche Hausangestellte Freiwild seien; und eine chinesische Dame, die einst Dienerin der ersten Konkubine des Kaisers war.

So entstand ein Liebes- und Abenteuerroman, der gleichzeitig ein faszinierendes Bild des 19 Jahrhunderts liefert.

Leseprobe
Autorenhomepage

Die Teeprinzessin, Hilke Rosenboom, Jugendroman, cbj, September 2007
ISBN-10: 3570130894, ISBN-13: 978-3570130896, gebunden, 444 Seiten, Euro 16,95

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