Geschichte der Sintflut. Sachbuch.
Harald Haarmann, September 2003, C.H. Beck


Frühe Zivilisationen

Vor 8700 Jahren brach die Landverbindung zwischen Europa und Kleinasien. Ein riesiger Fluss ergoß sich ins schwarze Meer, das damals ein Binnensee war und über hundert Meter unter dem Meeresboden lag.

Für die Menschen, die an dem Ufer dieses Sees lebten, muss es eine Katastrophe gewesen sein und viele vermuten, dass hier die Geschichte der Sintflut ihren Ausgang nahm. Das Buch möchte die Folgen dieser Flut für die Kulturentwicklung in der Schwarzmeerregion schildern.

Doch das geschieht nur auf den ersten Seiten. Die Klimaveränderungen, die sich ergaben, die ersten Ackerbauern, das wird auf wenigen Seiten abgehandelt. Und dann wechselt Harald Haarmann zu der Schriftentwicklung, zu den frühen Zivilisationen Europas und Mesopotamiens über. Doch die erfolgten Jahrtausende später. Welche Auswirkungen die Flut auf diese Kulturentwicklung gehabt haben könnte, wird in dem Buch nicht mal thematisiert, geschweige denn beantwortet. Das mag daran liegen, dass wir so wenig über diese Zivilisation wissen, dass die archäologischen Überreste von der Flut verschlungen wurden. Doch dann sollte man das Buch nicht großmundig als "Geschichte der Sintflut" ankündigen, sondern eben als das, was es ist: Die Entwicklung der Zivilisationen im Schwarzmeerraum. Denn dieser Raum scheint nach den neuesten Erkenntnissen ab 5000 vor Christus wirklich eine der ersten Zivilisationen und auch die erste Schrift hervorgebracht zu haben.

Doch nicht das allein ist es, was man dem Buch vorwerfen könnte. Denn außerdem sind bis auf die ersten zwei Kapitel alle anderen durch eine Fülle von Einzelheiten geprägt, die vor dem staunenden Leser ausgebreitet werden. Leider ohne jeden Versuch, dem Laien eine Übersicht zu geben oder einen Grund, warum diese Einzelheiten den so wichtig sind. So bleibt es ein Fachbuch, sicher für den interessant, der sich mit der Materie auskennt und eine wissenschaftliche Darstellung im Detail wünscht, aber unbrauchbar für Laien oder den, der einen Überblick haben möchte. Den muss sich der Leser nämlich mühsam aus Haarmanns Details zusammenbauen. Die oft sehr trockene Sprache und fehlende Begründungen machen es nicht leichter.

Fazit: Wissenschaftliches Detailwissen für Spezialisten geeignet, für Laien absolut unbrauchbar.

Über den Autor: Harald Haarmann, geb. 1946, ist einer der bekanntesten Sprachforscher. Er ist Vizepräsident des "Institute of Archeomythology" in Sebastopol (USA), Mitglied des Research Centre on Multilingalism in Brüssel und an zahlreichen Forschungsprojekten, unter anderem zu den Schwarzmeerkulturen, beteiligt.

Geschichte der Sintflut, Harald Haarmann, Sachbuch, September 2003, C.H. Beck
ISBN 3- 340649465X, Taschenbuch, 208 Seiten, Euro 12,90

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