Schwedisch für Idioten. Jugendbuch.
Mats Wahl, dtv, Februar 2007


""Wie soll es heißen?", wiederholte Frau Person noch einmal und biss sich auf die Unterlippe.
"Schwedisch für Idioten", schlug Emma nach einer Ewigkeit vor.
Frau Persson nahm einen Stift und schrieb es an die Tafel: Schwedisch für Idioten.
Alle konnten sie seufzen hören - vermutlich vor Erleichterung -, als sie das Gesicht der Tafel zuwandte. Wir betrachteten, was sie geschrieben hatte. Dragan schüttelte den Kopf.
"Soll das Buch so heißen?", fragte sie. "Schwedisch für Idioten?"
"Ja", sagten wir im Chor, nur damit sie aufhörte, sich was auszudenken."

Die Schwedisch-Lehrerin möchte im Unterricht ein Buch schreiben. Ausgerechnet in der Idiotenklasse. Zwar ist das Oberstufe, aber wer hier in dieser Klasse sitzt, hat einen Schlag weg. Hier versammeln sich die, die in der Schule nichts zu melden haben. Henke zum Beispiel. Dabei war er früher ein guter Schüler. Bis das mit seiner Schwester passierte. Seitdem liegt seine Mutter nur noch auf der Couch und der Kiosk, den sie früher betrieben hat, bleibt zu.

Dann taucht auch noch Henkes Vater auf, den dieser nie gesehen hat. Leider mit einem Messer, Henke nimmt das Messer versehentlich mit in die Schule und schon gibt es Ärger. Mit dem Direktor und Mitschülern, die Schutzgeld erpressen wollen.

Das Buch lässt Henke nicht los. Und er fängt an, seine Geschichte aufzuschreiben. Langsam nähert sie sich dem Punkt damals, als die Schwester in der Röhre gefangen saß.

Mats Wahl hat wieder ein Buch über einen Außenseiter geschrieben. Einen Jungen, der sich von allen abgekapselt hat, einen, der niemand an sich ran lässt.

Doch dann dieses Buchprojekt der Schwedischlehrerin. Das bringt alles wieder hoch. Und außerdem prahlt er, dass er Boogie tanzen könne und an dem Tanz-Marathon teilnehmen wird. Dazu fordert er Elin auf. Die ist in der Natur und jeder weiß, dass ist die Elite auf der Schule. Ein Junge aus der Idiotenklasse kann nicht mit einem Mädchen von der Natur tanzen. Das ist unmöglich.

Henke tanzt dennoch mit ihr.

Witzige Dialogen, glaubhafte Figuren finden sich in dem Buch, der Leser fühlt mit ihnen, der Autor vermeidet platte Lösungen und doch bleibt ein Unbehagen. Nicht weil er Sozialromantik betreibt, sondern im Gegenteil: Seine Schilderung der Losergesellschaft an der Schule wirkt manchmal zu politisch korrekt, die Härte künstlich. Nicht, dass es dieses Milieu nicht gibt, wo Fäuste mehr zählen, als Köpfchen, in dem Selbstgebranntes verhökert wird und alle wissen, dass sie eh keine Chance haben.

Aber hier sind nicht nur Henke, sondern auch die anderen angeblichen Loser zu wortgewandt, der Hintergrund gar zu düster und einheitlich gemalt, das Ganze zu sehr politisch korrekt, mehr das, was wir über diese Milieus hören wollen, weniger das, was wirklich ist. So wirkt das Buch manchmal sehr gekünstelt und hinterlässt deshalb ein zwiespältiges Bild.

Schwedisch für Idioten, Mats Wahl, Jugendbuch, dtv, Februar 2007
Originaltitel: Svenska för idioter, aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
ISBN 978-3-423-62298-1, TB, 396 Seiten, Euro 8,00

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