Im Schatten des Münster. Thriller.
Hef Buthe, Lübbe, November 2007


"An was ich mich erinnere, als ich den Mann das erste Mal wahrnahm, war ein stetiges, metallenes Geräusch.
Es war an einem Samstagmorgen. Ich saß in einem der Biergärten am Münsterplatz und berauschte mich am Treiben des Wochenmarktes.
"Tack, Tack, Tack-Tack", machte es."

Am Münsterplatz sammelt der Penner Otto Abfälle bei den Marktständen ein. Er ist ein Krüppel. Im Münster spielt ein Professor Orgel und orakelt, dass Otto für diese Stadt noch sehr wichtig werden würde. Genauer gesagt, er werde Unheil über den Münsterplatz bringen.

Das interessiert den Journalisten Krzcywanowski, der seinen eigenen Namen nicht mag. Bald muss er aber erkennen, dass der Professor überall Unheil wittert.

Doch dann erfährt er von seiner Pensionswirtin, dass sich über dem Münsterplatz tatsächlich etwas zusammenbraut. Die lukrativen Gaststätten am Platz, in der Touristensaison voll besetzt, sind im Krieg miteinander und werden von zwei Verpächtern drangsaliert. Des Nachts werden Sonnenschirme angezündet, sie hetzen die Steuerprüfung aufeinander und allen steht das Wasser bis zum Halse.

Dann stirbt der Professor, das erste Mal, dass eine Straßenbahn in der Stadt einen Menschen tötet. Die Sparkasse ist in dubiose Kreditvergaben verwickelt, die ebenfalls die Münstergastronomie betrifft.

Übrigens, wem gehören die Grundstücke am Münster denn eigentlich? Gar nicht so einfach zu sagen, entdeckt der Journalist, denn die wurden der Kirche im Reichsdeputationshauptschluß genommen. Danach kaufte, verkaufte und prozessierte man jahrzehntelang, noch 1919 und 1932 wurden Gesetze dazu erlassen und was ist nun wirklich gültig? Die Geschichte und die Eigentumsverhältnisse sind ebenso verzwickt, wie die vieler enteigneter Häuser nach Ende der DDR.

Hef Buthe hat einen Thriller über eine deutsche Stadt geschrieben, hinter der leicht Freiburg im Breisgau zu erkennen ist. Über Mauscheleien, man kennt sich, grüßt sich, nach außen ist alles friedlich und ansonsten hasst und bekriegt man sich. Wer den Erzbischof sprechen will, muss schwere Kost essen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein älterer Ich-Erzähler, so gar nicht der übliche Thrillerheld, verfolgt von Frauen, die aber nicht seiner virilen Ausstrahlung erliegen, sondern höchst eigene Pläne haben, getrieben von Neugier und der Suche nach einer Story, an der Nase herumgeführt und notfalls lenkt man ihn mit alten Dokumenten auf Latein ab, die kann er nämlich nur mühsam übersetzen.

Kein Thriller im üblichen Sinne, Action fehlt weitgehend, Todesfälle lassen nicht nur die zugehörigen Ehefrauen kalt und Psycho ist es auch nicht. Eher ein intelligentes Kreuzworträtsel, ein Puzzle mit viel zu vielen Teilen, manchmal verliert man den Überblick, aber unterhaltsam ist es trotzdem.

So entstand ein Buch, das seine Spannung aus den Rätseln zieht, aus Figuren, die schillern und ständig andere Interessen zu vertreten scheinen. Ein Lesevergnügen, das am Schluss die Frage offen lässt: Wem gehört die Stadt denn nun wirklich?

Leseprobe
Autorenhomepage

Im Schatten des Münster, Hef Buthe, Thriller, Lübbe, November 2007
ISBN 978-3404157839, TB, 316 Seiten, Euro 7,95

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