Ein Roman in einem Jahr. Schreibratgeber.
Louise Doughty, Autorenhaus, März 2008


Roman

»Als ich beschloss, Schriftstellerin zu werden, war der Verkäufer im Antiquariat um die Ecke, ein freundlicher, bärtiger Mann, einer der Ersten, dem ich es erzählte. „Nicht noch ein Buch“, stöhnte er und deutete mit einer weiten Geste auf die Regalwände seines Geschäfts; Bücher quollen aus den Regalen, standen in schwankenden Türmen auf dem Boden und stapelten sich auf den Fensterbänken. „Die Welt ist voller Bücher. Warum um Himmels willen musst du da mit einem weiteren ankommen?

„Ich möchte etwas Schönes erschaffen, mit dem ich Menschen erfreuen kann“, antwortete ich (Ich war damals noch ziemlich jung und naiv.)

„Dann pflanz ein paar Rosensträucher“«

Louise Doughty schrieb 2006 für den Daily Telegraph eine wöchentliche Kolumne über das Schreiben. Jedes Mal gab sie den Lesern eine Übung auf, die diese auf den Internet-Seiten der Zeitung posten und diskutieren konnten. Die Rückmeldungen übertrafen alle Erwartungen und es zeigte sich, dass viele Teilnehmer durch die Übungen tatsächlich lernten, eindrückliche Texte zu schreiben.

Natürlich kann ein Anfänger in einem Jahr keinen Roman schreiben, das weiß auch Doughty. Ihr Ziel war auch ein anderes: Den Teilnehmern einen Eindruck zu geben, welche Probleme das Schreiben mit sich bringt. Wie man überhaupt erst einmal sein Thema findet, wie man genügend Rohmaterial sammelt, aus dem sich dann ein Roman fertigen lässt.

Im Gegensatz zu vielen Kollegen mag sie den praxisorientierten Teil und redet gerne darüber: Warum haben Sie denn im Präsenz geschrieben? Was – Sie setzen niemals Rückblenden ein? Ja, und warum sind Prolog und Epilog so hilfreich?

Vor allem aber weiß sie, dass man es tun muss, um es zu lernen. Wer ein guter Fußballer werden will, muss so oft wie möglich kicken und wer ein guter Schriftsteller werden will, muss eben möglichst oft schreiben.

Dass vieles davon Grottenschlecht ist, sollte niemand hindern. Schon Hemingway wusste: Der erste Entwurf ist immer Scheiße. Viele angehende Autoren erwarten, dass ihre Texte „gut“ sein müssen und vergessen, dass man eine Menge Schrott schreiben muss, um Perlen zu erhalten.

Schreiben Sie, ist also die wichtigste Botschaft im ersten Teil des Buches. Und dafür liefert sie eine Menge Hilfen und Übungen, Wie man eigene Erlebnisse zum Beispiel für Geschichten verwenden kann. Nein, nicht autobiografisch. Sondern indem man sie einschmilzt und neu formt.

So plagt sie die angehenden Autoren auch nicht mit Vorschriften darüber, wie ihre Geschichten aufgebaut sein sollen, sondern ermuntert erst einmal zum Schreiben. Etwas, das viele Schreibratgeber übersehen. Denn bevor man an einer Geschichte feilen kann, muss man erst mal eine haben und das ist oft ein mühsamer und langwieriger Weg.

Überhaupt bietet die Autorin einen ehrlichen Einblick in das Autorengeschäft, der manchem Anfänger die Flausen im Kopf vertreiben dürfte. Dass sie selbst zum Beispiel zehn Jahre und drei Romane brauchte, bevor sie veröffentlicht wurde. Dass selbst berühmte Bestsellerautoren es nicht schneller geschafft haben.

Was ich aber für den wichtigsten Ratschlag im Buch halte: Jeder angehende Autor darf sich höchstens ein Prozent seiner Zeit mit der Frage beschäftigen, wie er an eine Agentur oder Verlag kommt; die restlichen neunundneunzig Prozent sollte man nutzen, um sich darauf zu konzentrieren, einen spannenden Plot zu entwickeln, überzeugende Charaktere zu erschaffen und klare, schöne Prosa zu schreiben.


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