Bartimäus: Die Pforte des Magiers. Jugendfantasy.
Jonathan Stroud, cbj, Juni 2006


Menschen, Zauberer und Dämonen

"Einstmal, lang ist's her, konnte mir keiner das Wasser reichen. Da fegte ich auf einem Wolkenstreif durch die Lüfte und entfesselte im Vorüberfliegen ausgewachsene Sandstürme. Ich spaltete Gebirge, errichtete Burgen auf gläsernen Säulen, fällte ganze Wälder mit einem Atemhauch. Ich stampfte Tempel aus dem Erdboden, führte Heere gegen die Legionen der Toten in die Schlacht, auf dass die Harfenspieler aller Herren Länder in die Saiten griffen, um mich zu preisen, und die Chronisten meine Heldentaten mit ehrfürchtiger Feder niederschrieben. Oh ja! Ich war Bartimäus - schnell wie ein Gepard, stark wie ein Elefantenbulle, todbringend wie ein Kobra.
Aber das war einmal.
Und jetzt ... Jetzt gerade eben lag ich mitten in der Nacht mitten auf der Straße platt auf dem Rücken und wurde immer platter."

Bartimäus, der Dschinn der vierzehnten Klasse, der die Mauern von Uruk, Karnak und Prag aufgebaut hat, mit König Salomon per du war, ist nur noch ein Häufchen Elend. Sein Meister Nathanael, mittlerweile Informationsminister, gönnt ihm keine Erholung an dem Ort, wo er herkommt. Seine Substanz ist schwer beschädigt und bald hüpft er als tödlich verwundeter Frosch in eine Versammlung der Regierung. Die sehen das nicht gerne, weswegen sie ...
Auch Kitty, eine Gewöhnliche, eine von denen, die nicht zaubern können und deshalb von den Zauberern verachtet und geknechtet werden, taucht wieder auf. Sie will Bartimäus wiedersehen und verdingt sich deshalb bei einem Zauberer. Vor allem aber möchte sie die sagenhafte Pforte des Magiers finden, die es Menschen angeblich erlaubt, in das Reich der Dämonen zu reisen.
Die alten Gegensätze der ersten beiden Bände tauchen wieder auf. Die Zauberer als Herrscherkaste, die sich alles erlauben oder glauben, sie könnten sich alles erlauben, die Dschinns, mit denen sie ihre Herrschaft aufrechterhalten und die ihre Herren hassen und die Gewöhnlichen, die die Zauberer fürchten, aber immer mehr Abwehrkräfte entwickeln. Das England unter der Herrschaft der Zauberer schlittert auf einen Abgrund zu. Und Nathanael mit ihnen, denn in der Zwischenzeit ist er einer der ihren geworden und teilt ihre Vorurteile und Arroganz.
Wie in den Bänden zuvor erzählt uns Stroud seine Geschichte spannend, lässt uns um die drei Hauptfiguren Bartimäus, Nathanael und Kitty zittern - im Falle Nathanaels nicht nur durch die äußeren Gefahren, die ihm drohen; weit mehr noch durch seine Wandlung, die ihn immer unsympathischer werden lässt und der Leser fragt sich: Wird er seine menschliche Seite überhaupt jemals wiederfinden?
Doch da tut Stroud in der Mitte des Buches manchmal des Guten zuviel. Nathanael ändert sich, aber er ändert sich an einigen Stellen sehr abrupt, da behauptet der Autor einfach den Charakter, statt ihn uns erleben zu lassen.
Aber mit dem ebenso überraschendem, wie konsequentem Schluss macht er dieses Manko bald wieder wett.

Fazit: Auch der dritte Band über den Dämon Bartimäus, den Zauberlehrling Nathanael und die "Gewöhnliche" Kitty schlägt Stroud wieder den Leser in Bann und zeigt, dass in der Jugendfantasy auch und grade neue Geschichte ihre Chance haben.

Leseprobe
Rezension des ersten Bandes (das Amulett von Samarkand)
Rezension des zweiten Bandes (das Auge des Golems)

Über den Autor: Jonathan Stroud stammt aus Bedford und schreibt Geschichten, seit er sieben Jahre alt ist. Er war Lektor, hat zwei Jugendbücher verfasst und lebt jetzt als freier Autor mit Frau und Tochter in St. Albans.

Bartimäus: Die Pforte des Magiers, Jonathan Stroud, Jugendfantasy, cbj, Juni 2006
ISBN 357012777X, gebunden, 603 Seiten, Euro 19,95

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