Nocturna. Jugendfantasy ab 12.
Jenny Mai Nuyen, cbj, August 2007



""Deine sehnlichste Frage wird beantwortet, wenn du ein Mädchen findest. Nur eine bringt dir die Antwort. Eine, die Ratten tanzen lässt, Schnürsenkel nicht binden kann und ein Herz besitzt, so scharf wie ihr Verstand."
[...]
"Na, ein Mädchen ist immerhin besser, als ein haariger Fettsack oder Fischverkäufer oder wen es sonst noch so hätte treffen können, nicht wahr?"
"Wer hat gesagt, dass ein Mädchen kein haariger Fettsack sein kann?""

Vampa sucht ein Buch. Denn er ist dazu verdammt, dass er ewig ein Junge bleibt, nicht sterben, aber auch nicht erwachsen werden kann und kein Gedächtnis hat. Wer er ist, weiß er nicht. Er ist nicht der einzige. Auch Tigwid ist auf der Jagd. Beide gehören nicht gerade zur guten Gesellschaft der Stadt, im Gegensatz zu Apolonia Magdalena Spiegelgold, Tochter eines Buchhändlers, die bei ihrem reichen Onkel aufwächst. Die drei treffen sich anlässlich eines Einbruchs. Und müssen erkennen, dass sie zusammenarbeiten sollten. Denn ein Geheimbund der Dichter stiehlt Kindern ihre Geschichte und lässt die Opfer ohne Erinnerung zurück.

Autoren sind Vamps, die aus dem Leben anderer Bücher machen. Das ist nicht neu, neu aber, dass jemand diesen Satz wörtlich nimmt und genau das real passieren lässt. In einer Stadt, die zur Abwechslung nicht mittelalterlich ist, sondern London um 1900 gleicht, an das London von "Perdido Street Station", an den Dämon "Bartimäus" erinnert. Und doch eine ganz eigene Welt ist.

Dass Dichter in Büchern weit mehr Bedeutung haben als in Wirklichkeit, ist auch nicht neu. Gerade in letzter Zeit gab es zahlreiche Fantasy und SF Romane, in denen sie es sind, die die Geschicke fiktiver Welten bestimmen. Und natürlich sind sie unheimlich wichtig, diese Bücher, egal ob in Cornelia Funkes Tintenwelt oder in Jasper Fordes Bücher um die Literaturagentin Thursday. Doch in Nuyens Welt ist das alles nicht so toll, die Dichter die Bösen und wer in die Fänge der Bücher gerät, hat Pech gehabt. Nicht nur das, auch die ganz eigene Welt mit ihren Figuren macht aus dem Buch nicht eines der zahlreichen "Me too" Fantasy Werke, sondern zeigt, dass die Autorin eine eigene Linie verfolgt, die sich auch in einer eigenen Sprache manifestiert.

Schon Nujens Erstling "Nijura" war gut geschrieben, aber in Nocturna hat sie eindeutig noch einmal zugelegt. Die Personen sind runder, der Hintergrund eigenwilliger, der Stil sicherer. Man darf auf weitere Bücher von ihr gespannt sein.

Für alte wie junge Fantasy-Fans ein Leseerlebnis und auch für alle, denen denen das Selbstlob der Literaten in manchem Buch ein wenig auf den Zeiger geht.

Leseprobe

Über die Autorin: Jenny Mai Nuyen wurde 1988 in München geboren, sie ist deutsch-vietnamesischer Abstammung. Ihre erste Geschichte schrieb sie mit fünf, ihren ersten Roman mit dreizehn. Sie studiert Film an der Universität von New York.

ISBN 978-3570133378, gebunden, 544 Seiten, Euro 18,95

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