Lichtscheu. Roman.
Birgit Erwin, Wurdack Verlag, 2005


Vatikan meets Vampire

"Zum ersten Mal sah er London an einem kalten Nachmittag im November. Es war bereits dunkel. Niemand war gekommen, um ihn willkommen zu heißen. Ein einzelner Reisender in Victoria Station war nur ein Tropfen im Ozean, ein Puzzleteilchen, das sich mit vielen anderen zu einem riesigen Mosaik ohne tieferen Sinn zusammenfügte."

Pater Matteo wird von seinem Bischof auf eine besondere Mission geschickt. Er soll jemand taufen. Doch dazu muss er den Vatikan verlassen und nach London fliegen, denn der Täufling hält sich im Tower auf.

Und ist in Ketten in einem Verließ eingesperrt. Obendrein behauptet er ein Vampir zu sein, der ein Abkommen mit dem Vatikan getroffen habe.

Natürlich ist das alles Unsinn, denn Vampire gibt es sowenig wie den Weihnachtsmann, selbst naive Priester wissen das. Doch die Haut des Mannes wirft Blasen an den Stellen, an denen ihn das Taufwasser trifft.

Obendrein bittet ihn der Täufling, er solle seiner Tochter Silver ausrichten, sie möge sein Werk vollenden. Silver findet der Pater im CrissCross, einer angesagten Diskothek. Und damit beginnt eine Irrfahrt durch London, die alles, was der junge Pater bisher geglaubt hat, auf den Kopf stellt.

Eine Liebesgeschichte, ein Thriller, eine Gothic Novelle. Dieses Buch ist alles drei gleichzeitig. Und macht es dem Leser manchmal schwer.

Zunächst beginnt es gänzlich unspektakulär, fast schon langweilig. Die ersten Seiten musste ich mich hindurchkämpfen. Ein Eingang, der den Leser wahrlich nicht lockt. Auch später gibt es manchmal Stellen, wo die Geschichte stockt. Oder scheint es nur so? Ist das Absicht, um den Leser aufs Glatteis zu führen? Jedenfalls gehört der Roman nicht zu denen, die durchgestylt den Leser in eine Sog ziehen, ihn zwingen, das Buch möglichst schnell zu lesen - und es danach ebenso schnell zu vergessen. Dafür erzeugt es eine ganz eigene Atmosphäre.

Immer, wenn ich das Buch aus der Hand legte, habe ich wenige Tage danach wieder danach gegriffen. Denn ich wollte doch wissen, wie es mit dem Pater und Silver, dieser weißen Hexe, weitergeht. Schon das zeigt, dass dieser Roman durch die Personen lebt. Wer Action erwartet, findet zwar auch einiges, aber es ist kein Roman, der durch die Handlung lebt. Es ist auch kein typische "Who done it". Oft ist nicht mal klar, was denn wirklich getan wurde - geschweige denn, wer der Täter war.

Dass der Vatikan in dem Buch vorkommt, ist denn auch die einzige Ähnlichkeit, die "Lichtscheu" mit den heute beliebten Vatikan Thrillern wie "Assassin", "Illuminati", "Jesus Video" oder "Sakrileg" gemeinsam hat.

Ein Buch, das den Leser auf ganz eigene Art fesselt. Eher wie ein anspruchsvolles Kreuzworträtsel - aber verlassen sie sich nicht darauf, dass sie ein Lösung finden. Ein Buch, das in der Erinnerung bleibt und über das sich der Leser auch ärgert. Hätte die Autorin, der Lektor es nicht da und dort überarbeiten können? Aber damit wäre auch der Reiz des Buches verlorengegangen. Und ob ich dann so gut daran erinnern könnte, bezweifle ich. Eher wäre es wohl so schnell vergessen, wie die zahlreichen anderen Thriller, von denen ich schon nach wenigen Tagen nicht mal den Namen des Helden nennen konnte.

Fazit: Ein Thriller, eine Liebesgeschichte, die ganz eigenen Wegen folgt. Nicht für alle, aber für alle, die einmal etwas Anderes lesen wollen.

Über die Autorin: Birgit Erwin wurde in Aachen geboren und studierte Anglistik und Germanistik in Heidelberg. 2002 und 2003 belegte sie jeweils den zweiten Platz beim Jahreswettbewerb der Storyolympiade. Heute lebt sie lebt in Heidelberg, wo sie als Studienrätin arbeitet.

Lichtscheu, Birgit Erwin, Roman, Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-06-0, Taschenbuch, 184Seiten, Euro 9,95

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