Die Kosakenbraut.
historischer Roman.
Katharina Timm, Marion von Schröder, Februar 2008

»Seit neun Tagen kannte der Junge sein Schicksal. Seit dem Abend, an dem Senko Nennis aufgehört hatte, so zu tun, als gebe es ihn nicht.
Dabei war er vorsichtig gewesen, wie immer. Er hatte die Kammer nicht verlassen, saß angespannt auf dem harten Schemel neben der Tür und lauschte auf das Knarren der Treppenstufe, das seine Schwester absichtlich hervorrief, wenn sie mit einem der Freier auf dem Weg nach oben war. Niemand außer ihr hatte je die Tür geöffnet, und so erschrak der Junge, als plötzlich eine Fremde vor ihm stand.«

Südrussland Anfang des siebzehnten Jahrhundert. Am Don haben sich die Kosaken niedergelassen, liefern sich ständige Kämpfe mit den Tataren und Osmanen. Ursprünglich Bauern aus Russland und Polen sind sie der Leibeigenschaft entflohen und haben sich hier niedergelassen, wo sie ein Leben fern von Adel, Steuereintreibern und Klerus führen.

Doch diese Freiheit ist hart, ständige Kämpfe und Mitleid ist nicht gefragt. Besonders nicht bei Rurik, dem Ataman von Siljongorod. Der ordnet auch schon mal eine Vergewaltigung an oder lässt Gefangene bei lebendigem Leib verbrennen, wenn es seinen Zielen dient.

Eigentlich sollte seine Tochter Elja ihm nachfolgen, bei den Jarostnye kämpfen auch die Frauen und können befehlen. Doch Elja flieht vor der Brutalität des Vaters. Was sie nicht weiß: Sie besitzt wie ihre Mutter die Gabe, in den Träume anderer zu wandern und dadurch zu heilen – oder zu vernichten.

Rurik adoptiert Andrej, einen Junge, der ihm treu ergeben ist. Doch er will einen Enkel und spinnt eine Intrige, um Elja wieder zurück zu holen und mit seinem Geschöpf Andrej zu verheiraten. Zunächst gelingt ihm das. Doch dann ...

Einmal kein Mittelalter, dafür Europas wilder Osten, den meisten Europäern ferner als der Mond. Die Autorin spinnt hier eine ganz eigene Geschichte um Stammeskämpfe, Mord und Macht, aber auch um Liebe – und um Träume. Nicht die übliche Liebesgeschichte, auch kein Mantel- und Degenroman, sondern eine ganz eigene Geschichte fast ohne Vorbild.

Der Stil lässt Russland anklingen; manchmal üppig, ein bisschen altertümlich, aber nie überladen. Ich liebe normalerweise den kargen Stil, hasse die blumigen, endlosen Beschreibungen vieler historischer Romane. Doch Katharina Timm hat es verstanden, mich mit ihren ganz eigenen Worten und Sätzen mich einzufangen.

Fazit: Ein spannender Schmöcker aus einer wenig bekannten Welt, gut geschrieben, der den Leser so fesselt, dass er ihn nicht mehr aus der Hand legen mag, bis die letzte Seite gelesen wurde und Großväterchen sein Schlusslied singen durfte.

Die Kosakenbraut, Katharina Timm, historischer Roman, Marion von Schröder, Februar 2008
ISBN-10: 3547711363, ISBN-13: 978-3547711363, gebunden, 428 Seiten, Euro 16,90

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