Das München-Komplott. Krimi.
Wolfgang Schorlau, KiWi, November 2009


Das München-Komplott

In 17 Kliniken in München und Umgebung kämpften Ärzte und Krankenschwestern um das Leben der Opfer.
"Meine Patienten hatten Splitterverletzungen, sie waren taub geworden und hatten versengte Haare. Niemand wusste, was passiert war. Wir tippten auf eine explodierende Gasflasche", erklärte ein Arzt.
"Unregelmäßige Metallfetzen - Splitter der Rohrbombe und des Papierkorbs - verursachten bei den meisten Patienten schwere und komplizierter offene Verletzungen vor allem an den Beinen", sagte ein anderer.

Das Oktoberfest 1980. Um 22:19 Uhr explodierte eine Bombe, 13 Menschen starben, 200 werden verletzt. Der größte Terroranschlag in der Bundesrepublik. Ein Einzeltäter wurde gefasst, doch weder geklärt, woher er den Sprengstoff hatte, noch ob es Hintermänner gab und wer diese waren. Dabei gab es Zeugenaussagen, die den Täter in Begleitung gesehen haben wollten. Doch diese Spuren wurden nie verfolgt. Die Polizei schloss den Fall ab. Die Öffentlichkeit vergaß ihn.

Jetzt soll der ehemalige Zielfahnder des BKA, Dengler, ihn wieder aufrollen. Persönlicher Auftrag vom Präsidenten des BKA. Weil eine Staatssekretärin am NPD Verbot interessiert ist. Und weil der Verfassungsschutz eine merkwürdig ablehnende Haltung einnimmt.

Doch nicht allen gefallen Denglers Nachforschungen. Offenbar gibt es genug Leute, die an einer Aufklärung nicht interessiert sind. Das Attentat fiel mitten in die Hochphase der RAF und sollte ihr ursprünglich auch in die Schuhe geschoben werden. Erstaunlich, wie der Autor Historisches nahtlos mit Spekulation und Fiction vermischt.

Ein Zeuge stirbt nach einer unwillkommenen Aussage an Herzversagen, obwohl er erst 35 ist (dieser Fall ist historisch), drei pensionierte Generäle müssen sterben (nicht historisch), Waffenlager in der Lüneburger Heide werden aufgedeckt (die gabs wirklich) und dann ein überraschender Schluss, den ich aber nicht verraten will.

Auch wenn vieles unglaubwürdig erscheint: Es könnte so gewesen sein. Denn nicht nur dieses Attentat interessierte die Politik offenbar wenig. Zeitgleich gab es einige Anschläge in deutschen Bahnhöfen, die ebenfalls nie aufgeklärt worden sind. Steckte vielleicht doch Gladio dahinter, die Nato-Organisation, die in Italien Terror-Anschläge verübte? Seltsam auch, dass über die RAF-Anschläge immer wieder diskutiert wird, der größte Anschlag, nämlich der auf das Oktoberfest, aber niemanden interessiert. Auch die Opfer sind längst vergessen. Es gibt eben Opfer erster und zweiter Klasse. Über die einen werden Bücher geschrieben, die anderen werden vergessen. Opfer sollten sich nur in politisch korrekten Anschlägen umbringen lassen.

Allein schon, dass der Autor an dieses Attentat erinnert, wäre das Lesen wehrt. Aber das Buch ist obendrein ein superspannender Krimi, geschrieben von einem, der sein Handwerk versteht.

Und ich werde kaum der Einzige sein, der nach der Lektüre im Internet nach weiteren Hintergründen dieses Anschlags gegoogelt hat.

Leseprobe
Zu den Hintergründen des Attentats
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