Komik und Satire. Lehrbuch für Journalisten und Autoren.
Bernd Zeller, Autorenhaus, 2008


Komik und Satire

»Nehmen wir an, Sie thematisieren einen dicken Mann. Vielleicht, weil Sie sich über einen solchen geärgert haben oder weil Dicke immer wohlfeile Opfer sind, vielleicht haben Sie, wie ich, selbst einen üblen Bauch, der seit Jahren aus jedem Kampf als Sieger hervorgeht. Das Thema ist allein noch gar nichts. Da Sie gelesen haben, man soll übertreiben, ist es eben der dickste Mann aller Zeiten, der Ihnen jemals begegnet ist.«

Humor ist ...

Ja, was ist Humor eigentlich?

Zeller will es uns zeigen und nicht nur zeigen, sondern dem Leser helfen, ihre eigene Art des Humors heraus zu arbeiten und zu verstärken. In Kapiteln über die Terminologie des Lachens, der Situation von Komik und Satire in Deutschland, einer Lektion, wie man es nicht macht, der stammesgeschichtlichen Entstehung des Lachens, den drei Prinzipien der Komik sowie einer Methodenlehre soll dies geschehen.

Damit das auch jeder merkt, versichert der Autor dem Leser immer wieder, was er jetzt gelernt habe: „Inzwischen müssten Sie in die Lage gekommen sein, Ihre eigene Arbeit wie ein Außenstehender bewerten zu können“ behauptet er in der Methodenlehre. Ähnliche Behauptungen finden sich haufenweise in dem Buch. Den Beweis für diese Behauptungen bleibt uns der Autor allerdings schuldig.

Mal abgesehen davon, dass dies eine der schwierigsten Dinge für Autorinnen und Autoren ist und ganz gewiss nicht durch die Lektüre von 99 Seiten Schreibratgeber gelingen kann, scheitert es auch daran, dass das Buch auf Beispiele weitgehend verzichtet. Auf Seite 52 findet sich das erste. „Dass ich Konkretisierung und Anschaulichkeit empfohlen habe“, sagt er in der Mitte des Buches, doch genau daran hält er sich nicht. Wie in obigem Zitat liebt er Substantivierungen und möglichst allgemeine Sätze, deren Sinn auch nach mehrmaligen Lesen dunkel bleibt.

„Die lineare Verschärfung der Lage ohne Wendung der Situation besteht in der Erhöhung des Einsatzes“, ein kurzer Satz mit der höchstmöglichen Anzahl von Substantiven und nur einem Verb.

„In allen anderen gesellschaftlichen Umständen ist der Konsequenz viel Beachtung zu widmen, weil es für ihre Funktionstüchtigkeit, wie ich meine: noch stärker als bei den beiden anderen Prinzipien, neben der vom Autor geschaffenen Struktur auf die Voraussetzungen beim Empfänger ankommt.“ Gutes Beispiel für Humor. Allerdings handelt es sich wohl um die unfreiwillige Sorte.

Im Kapitel „Wie man es nicht macht“ wird alles hineingepackt, das den Autor bei Journalisten stört, vom Anquatschen des Lesers, den Ausrufezeichen, Übertreibungen, Behaupten, dass etwas wichtig sei. Ein buntes Sammelsurium, sicher nicht falsch, aber in anderen Schreibratgebern sehr viel besser erklärt und vor allem mit Beispielen unterfüttert und mit Humor hat es weniger zu tun als mit allgemeinen Problemen des Schreibens. Deshalb klingt es auch wie eine Sammlung persönlicher Animositäten.

Das Kapitel „Die Situation von Komik und Satire in Deutschland“ vereint sämtliche Klagen über die humorlosen Deutschen auf höchst langweilige Weise in sich und enthält garantiert nichts, was man nicht mindestens einmal die Woche irgendwo in Feuilletons lesen kann.

Auch sonst werden gerne Klischees bedient. Über die geistlose Comedy, die nur der Umsatzmaximierung dient, über die Amerikaner, die angeblich die Unterscheidung von E und U nicht kennen (warum beklagen Stephen King und zahlreiche andere Amerikaner diese strikte Trennung dann immer wieder?), über dies und jenes und am Schluss hat man den Eindruck, dass die deutsche Comedy so schlecht gar nicht sein kann. Es geht nämlich noch schlechter, das beweist dieses Buch.

Nach 99 Seiten voller substantivierter Klischees in Tateinheit mit unbewiesenen Behauptungen und allgemeinen Sätzen folgen 20 Seiten mit Interviews. Die sind einigermaßen informativ, ob es sich deshalb lohnt, das ganze Buch zu kaufen, muss jeder selbst entscheiden.

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