Ein König für Deutschland. Roman.
Andreas Eschbach, Lübbe, September 2009


Ein König für Deutschland

»Während eines Meetings Ende September des Jahres 2000, sechs Wochen vor der anstehenden Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, wollte der Abgeordnete Frank Hill wissen, ob SIT ein Programm für Wahlcomputer entwickeln könnte, das imstande sei, das Endergebnis einer Abstimmung zu verändern, ohne dass jemand die Manipulation entdecken würde.

Ein Prototyp genüge.«

Vincent ist ein Nerd. Seine große Liebe sind Computer und Programme und wenn er auch nicht Informatik studiert hat, so versteht er doch eine Menge davon. Einen Trojaner hat er schon gebastelt, jetzt verlangt ein hohes Tier von ihm ein Programm, um Wahlcomputer zu manipulieren.

Wahlcomputer sind die neue Leidenschaft der Politiker. Sicher seien sie, so hätten ihnen „Fachleute“ versichert. Doch Vincent weiß es besser, er kennt sich mit Computern aus. An einem solchen Gerät testet er die Möglichkeiten aus. Schwierig, aber nicht unmöglich, diese Manipulation.

Und dann will auch ein Magier ein Programm von ihm. Der will die deutschen Bundestagswahlen 2009 an den Meistbietenden versteigern. So kommt die Geschichte in Deutschland und in den USA in Gang.

Eine Menge Personen sind beteiligt. Nerds, die wissen, wie unsicher Wahlcomputer sind und deswegen eine Partei zur Wiedereinführung der Monarchie gründen, um die Manipulation nachzuweisen; Computerspieler, die begeistert auf den Zug aufspringen und König und Hofstaat spielen wollen; Politiker, die Gesetze über Computer und Internet verabschieden, aber Fachkenntnisse haben, die locker jeder Zehnjährige übertrumpfen kann; Geheimdienste, die nicht wählerisch in ihren Methoden sind.

Eschbach kennt sich aus in der Computerszene, er hat lange genug selbst Programme entwickelt und das merkt man, wenn er all die Freaks und Nerds schildert. Lebendig, manchmal ein wenig überzeichnet, mit Sinn für die aberwitzigen Seiten, aber doch ohne Häme. Auch die Rollenspieler, für die Wahlen nur ein weiteres Spiel sind, die Yellow Press und ihre Begeisterung für Adel und Monarchie und der Leser weiß nicht, soll er über die Absurditäten lachen oder bleibt ihm das Lachen im Halse stecken, weil es alles so realistisch ist und ja, so hätte es passieren können.

Da ist Alex, der eine große Firma für Computer- und Rollenspiele besitzt und unglücklich verliebt in die Elfe Sirona, die ohne Hemmungen weiß geschminkt in wallenden Gewändern durch die Stadt marschiert. Leider erwidert sie Alex` Liebe nicht, sondern betreibt ein undurchsichtiges Spiel.

Alex` Bruder Leo, ein Kleiderschrank von einem Mann, Personenschützer und die aufmerksamste und sensibelste Bedienung, die man sich wünschen kann.

Simon König, der steife Deutschlehrer, der von Computern rein gar nichts versteht, aber in die Rolle des Monarchen in spe hineinwächst.

Root, der Computerfreak, der auszieht, das Böse zu besiegen und dann doch ...

Helene, die Chefredakteurin mehrerer Frauenmagazine, Ex - Frau von Simon König und fasziniert davon, dass ihr Ex plötzlich Phantasie entwickelt.

Sie alle erhalten ihre Geschichte, wandeln sich, wachsen dem Leser ans Herz, auch wenn er sie anfangs eher unsympathisch fand.

Und Eschbach versteht es so geschickt wie seinerzeit Crichton Technik und Politik mit einer spannenden Geschichte zu verweben, die den Leser nicht nur unterhält, sondern auch viel über Computer, Demokratie und Monarchie beibringt.

Wer sagt denn, dass in Deutschland keine Politthriller geschrieben werden? Hier ist einer, spannend wie ein Crichton und doch ganz anders, hier spielt Technik und Politik endlich mal eine Rolle wie im wirklichen Leben auch, in Romanen aber höchst selten und hier ist ein Autor am Werke, der sich damit auch auskennt und nicht stolz darauf ist, dass er Computer nicht versteht, wie so mancher seiner Schriftstellerkollegen.

Dass das Bundesverfassungsgericht den Politikern die Wahlcomputer untersagt hat, die Bundestagswahlen also vorläufig ohne mögliche Manipulationen ablaufen, ändert nichts daran, wie aktuell dieses Buch ist. Denn auch auf anderen Gebieten werden immer neue Versuche in Berlin gestartet, Gesetze zu erlassen von Politikern, die offen zugeben, dass sie von dem, was sie beschließen, keinerlei Ahnung haben und die sich auf anonyme „Fachleute“ berufen, die diese Gesetze für notwendig hielten.

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