Perdido Street Station 1. Die Falter.
China Mieville
Perdido Street Station 2. Der Weber.
China Mieville
(Beide: Lübbe 2002)


Broschiert - 557 Seiten - Lübbe
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3404232453
EUR 8,90
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Broschiert - 557 Seiten - Lübbe
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 340424298X
EUR 8,90
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China Miéville ist ein junger britischer Autor, der seine Leser wie Edgar Allen Poe oder Kafka in eine fremdartige, bedrückende Welt zu entführen weiß. Perdido Street hat den Arthur C. Clark Award sowie den August Derleth Award for Best Novel gewonnen und findet sich auf der Vorschlagsliste für so ziemlich jeden renommierten SF- bzw. Fantasy-Preis.

Viele Fantasy-Romane ahmen Tolkien nach, versuchen Geschichten über Gut und Böse zu erzählen und darüber, wie einfach man beides auseinanderhalten könne. Perdido Street Station zählt nicht dazu. Es spielt in einem London des 19. Jahrhunderts, genannt New Crobuzon, eine Mixtur aus Dickens, Doré und Blade Runner. Der Lübbe Verlag hat das Buch übersetzt und in zwei Bänden herausgegeben: "Die Falter" und "Der Weber"

"Licht glitzerte in Lins Facettenaugen. Ihre Kopfbeine bebten. Sie nahm eine halbe Tomate, ergriff sie mit ihren Mandibeln und ließ die Hände sinken, während ihre Mundwerkzeuge die Speisen zerkauten, die ihre äußeren Kiefer festhielten.
Isaac schaute zu, wie der große, schillernde Skarabäus, den seine Liebste als Kopf trug, das Frühstück verzehrte.
Er schaute zu, wie sie schluckte, sah die Kehle sich wölben, wo der gerippte Käferbauch nahtlos in den Hals überging - nicht dass sie diese Beschreibung akzeptiert hätte. Menschen haben Leib, Beine und Hände der Khepri und den Kopf eines rasierten Affen, hatte sie einmal zu ihm gesagt. [...]
Ich bin pervers, dachte Isaac und sie ist es ebenfalls."

New Crobuzon ist ein Schmelztiegel verschiedener Rassen, der insektenhaften Khepri, der Menschen, der Vodyanoi, die das Wasser mittels ihrer Wasserkræft beherrschen, der Kaktusleute und zahlreicher anderer. Science Fiction nennt es der Verlag, doch es ist viel eher eine phantastische Reise á la Gulliver, á la Neuromancer in einer Millionenstadt, die direkt aus dem viktorianischen London erschaffen wurde.

Dampfkraft und Kohlen sind überall, treiben die Hochbahnen an wie die künstlichen Gehirne, deren Gedanken mit Lochkarten gesteuert werden. Und es gibt Magie, doch die nennt sich Thaumatologie und wird, den Zeichen der Zeit folgend, von Wissenschaftlern erforscht und von Ingenieuren genutzt. Schließlich gibt es die Kunst des Remade, Ingenieure operieren fremde Glieder, Waffen und Werkzeuge Menschen und anderen Rassen ein.

Einer der Wissenschaftler ist Isaac dar Grimnebullin, der sich mit zwei anderen eine große Fabrikhalle als Versuchslabor teilt, betreut von dem Dachs Guteseele und einem lochkartengesteuertem, dampfgetriebenen Faktotum.

Eines Tages steht ein Garuda, ein Vogelmensch aus der Wüste, in Isaacs Labor. Er hat Gold und einen Auftrag:
"Zwei Wochen lang krieche ich wie ein Wurm von einem Loch zu einem anderen. Ich lese, frage, forsche und was ich erfahre, weist mich nach Brock Marsh. Und in Brock Marsh weist es mich zu dir. Ich frage: >Wer vermag die Eigenschaften von Materie zu verändern?< >Grimnebulin, Grimnebulin< antwortet man. >Wenn du Gold hast, ist er dein Mann.< [...] Sie sagen, du bist ein Weiser, der die Geheimnisse der Materie kennt, Grimnebulin."

Dem Garuda wurden seine Flügel abgeschnitten, nun kann er nicht mehr frei durch die Lüfte kreisen.

"Fliegen ist nicht eitles Vergnügen. Fliegen können ist das, wodurch ich Garuda bin. Mich schaudert, wenn ich Dächer über mir sehe, Dächer, die mich erdrücken. Ich will hinunterschauen auf diese Stadt, bevor ich heimkehre, Grimnebulin. Ich will fliegen, nicht nur einmal, sondern immer, nach meinem Belieben. Ich will, dass du mir den Himmel wiedergibst."

Isaac nimmt den Auftrag an, er lässt sich alles mögliche fliegende Getier bringen, er beschäftigt sich mit seiner alten Liebe, der Krisistheorie und mit beidem ist er erfolgreich. Zu erfolgreich. Denn wie der Zauberlehrling kann er die Kräfte nicht beherrschen, die er in seine Welt ruft. Und wie der Zauberlehrling hat auch Miévilles Text eine poetische Sprache von magischem Suchtfaktor, ein Roman, der stellenweise reine Poesie ist.

Im zweiten Band wandelt sich der Text zu einem Thriller, Isaac, der Garuda und ihre Genossen ziehen mit Konstrukten aus künstlicher Intellegenz aus, die Geschöpfe der Nacht und der Phantasie, die dem Labor entkommen sind und nun New Crobuzon heimsuchen, unschädlich zu machen.

Ein Feuerwerk von Ideen lässt China Mieville vor dem staunenden Leser entstehen und man muss lange suchen, um vergleichbares zu finden. Nicht jedem mag dieses Buch liegen, aber wer sich auf diese magisch-realistische Welt einlässt, wird reich belohnt. Lange muss man suchen, um vergleichbare Bücher zu finden für diesen Hexenkessel aus Cyberpunkt und Alternativwelt.

Bei Amazon findet sich ein Interview mit dem Autor.

China Mieville, Die Falter, Bastei Lübbe, 8,90
Die Weber, Bastei Lübbe, 8,90
Perdido Street Station, MacMillan, London, englische Originalfassung, 7£99


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