Eragon. Roman.
Christopher Paolini, cbj Verlag 2004




Das Vermächtnis der Drachenreiter

" Plötzlich kauerte sie sich zu Boden und klappte die Flügel aus. Unbewegt hingen sie dort einen Moment, dann schnellten sie herunter und Saphira stieß sich ab und stieg in die Lüfte.
Eragon brüllte vor Schreck, als der Boden unter ihm wich und sie sich über die Bäume erhoben. Tosende Luftwirbel schüttelten ihn durch und pressten den Atem aus seinen Lungen. Saphira ignorierte sein Entsetzen und flog in einer scharfen Linkskurve auf den Buckel zu. Unter ihnen erhaschte er einen Blick auf den Hof und den Anora. Sein Magen rebellierte. Er umklammerte Saphiras Hals, konzentrierte sich auf die Schuppen vor seiner Nase und versuchte, die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken, während sie immer höher in den Himmel emporstieg. Als sie sich schließlich waagerecht legte, fand er den Mut, sich umzuschauen."

Auf der Jagd allein in den Bergen findet Eragor einen seltsamen glattpolierten Stein. Eragon lebt bei seinem Onkel auf dem Hof, der Hof reicht grade zum Leben. Vielleicht kann er den Stein verkaufen? Bald wird es Winter und sie könnten dafür Vorräte kaufen? Der Fleischer Sloan staunt über den Stein, wie auch die fahrenden Händler, niemand hat jemals so etwas gesehen. Aber deshalb schrecken sie auch davor zurück, Geld dafür auszugeben.

Und eines Nachts wacht Eragon auf, weil der Stein seltsame Geräusche macht. Der Stein quiekt. Ein Riss entsteht, der Stein spaltet sich und ein Drachenjunges schlüpft heraus. Drachen, das war einmal, die Zeit der Drachenreiter ist längst vorbei und das Dorf liegt im Königreich Alagaesia. König Galbatorix ist nicht gut auf Drachenreiter zu sprechen. Er war selbst mal einer, hat sich aber mit ihnen überworfen und die meisten getötet.

So beginnt für Eragon eine Geschichte, die sein Leben gründlichst auf den Kopf stellt. Sein Onkel wird getötet, der Hof niedergebrannt, Eragon will sich rächen und findet in Brom, dem Geschichtenerzähler, einen Lehrer, der ihn in Magie, Schwertkampf und das Wissen über die Drachen einweist.

König Galbatorix will natürlich Drache nebst Reiter in seine Gewalt bringen und schickt seine Ra'zacs und Urgals aus, die beiden zu fangen. Ra'zacs sind recht unangenehme Kreaturen und Urgals erst recht und wenn Eragon nicht ...

Aber das sollten Sie selbst lesen. Denn das Buch ist spannend, wenn auch am Anfang etwas mühsam zu lesen und besser als viele andere Fantasy-Romane, die sich ähnlicher Heldenreisen verschrieben haben. Der Protagonist Eragon ist gut angelegt, die Drachin Saphira ebenfalls. Ein Leseerlebnis.

Und doch habe ich was zu meckern. Orks (oder Urgals), Zwerge und Elfen gibt es mittlerweile im Dutzend billiger, nicht nur Tolkien, sondern ganze Heerscharen von Epigonen haben sich da aus der keltisch-nordischen Sagenwelt bedient. So sehr Eragon und sein Drache wirklich etwas eigenes sind, die Urgals sind es nur am Anfang. Da leben (und rauben) sie in kleinen Gruppen, lassen sich von niemanden etwas befehlen und leben in den kalten Regionen im Norden.

Doch bald verlieren sie ihr eigenes Gesicht und werden zu den üblichen "Verdächtigen", sprich Mordbrennern in Fantasyromanen und auch die Elfen sind schön und leben lang, die Zwerge widerborstig. Schade. Hier hätte Paolini die Chance gehabt, sein Buch wirklich herausragend zu machen, sich von dem üblichen Einerlei abzusetzen und dem Roman Tiefe zu geben. Das hätte ein einmaliges Buch werden können, eines, das man nicht vergisst, sondern mehrmals liest.

So ist das Buch gute Unterhaltung geworden. Nichts dagegen, ich kenne jede Menge Bücher, deren Unterhaltungswert zu wünschen übrig lässt. Aber schade ist es trotzdem. Denn aus dem Roman hätte leicht ein Kultbuch werden können, denke ich.

Leseprobe

Über den Autor: Er verschlinge Bücher, sagt Christopher Paolini über sich selbst und diese Leidenschaft führte dazu, dass er als 15 jähriger den Roman Eragon begann, den er drei Jahre später abschloss. Um die Geschichte schreiben zu können, hat er sogar auf den College Besuch verzichtet. Mittlerweile ist er zwanzig, schreibt an der Fortsetzung der Drachenreiter und lebt in Paridise Valley in Montana (USA). Eine öffentliche Schule hat er nie besucht, sondern wurde von seiner Mutter unterrichtet.

Eragon, Christopher Paolini, cbj Verlag, September 2004
ISBN 3570128032, gebunden, 602 Seiten, Euro 19,90

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