Das Drehbuch. Schreibratgeber.
Syd Field, Autorenhaus, August 2007


Vom Thema des Drehbuchs über die Figurenentwicklung, aus der sich die Story entfaltet bis hin zu detaillierten Einzelproblemen – Anfang, Ende, Exposition, Plot Points, Szene und Sequenz - spannt Syd Field den Bogen seines Buches.

Nicht zu Unrecht nennen ihn manche „Drehbuchguru“. Aber er hat nicht nur viel über Drehbücher geschrieben, er ist film-verrückt und seine Begeisterung für Filme und vor allem die dahinter stehenden Drehbücher spürt man. Deshalb liest sich sein Buch auch so spannend.

Der Anfang ist etwas länglich, vor allem für Leser, die bereits einige Standardwerke über das Schreiben gelesen haben. Interessant hier, dass er nicht, wie viele, mit den Personen beginnt, sondern mit dem Thema des Drehbuchs: Handlung plus Figur. Das soll und kann man in ein, zwei Sätzen niederlegen. Oft sucht sich nicht der Autor dieses Thema, sondern das Thema den Autor. Er nennt das auch „Prämisse“, leider wird der Begriff von anderen (James Frey z.B.) in anderer Bedeutung gebraucht. Ein weiterer Beweis für die missliche Tatsache, dass die Fachausdrücke aus der Handwerkskiste des Schreibens nicht einheitlich sind.

Das erste Kapitel über die Erschaffung einer Figur ist für Anfänger sicher interessant, bringt aber fortgeschritteneren Autoren nichts Neues, überhaupt reißen die ersten hundert Seiten nicht vom Hocker, auch wenn sie gut lesbar geschrieben sind.

Doch dann wird es praktisch. Field zeigt an einem Beispiel, wie man mit Frage und Antwort eine Person entwickelt, deren Bedürfnisse, Wünsche, Weltsicht und Haltung. Um sie dann loszulassen, damit sie die Story entwickelt. Auch dies wird am Beispiel einer Diskussion gezeigt. Überhaupt ist Field da am besten, wo er aus seinem Erfahrungsschatz schreibt und zeigt, wie man all die theoretischen Aussagen zu Geschichten und Schreiben praktisch umsetzen kann.

Im zweiten Teil, der etwa die Hälfte des Buches umfasst, geht es generell ums Praktische. Sei es die einzelne Szene, welche Aufgaben sie hat und wie man sie entwickeln kann, sei es die Sequenz von Szenen, die um das gleiche Thema kreisen, oder die Storyline und die Form des Drehbuchs. Auch hier geht es wesentlich um die Geschichte, um Dinge, die also auch für Romanautoren wichtig sind.

Denn ein Drehbuch erzählt zwar eine Geschichte für ein Bildmedium, ist also kein Roman, aber tut das mit Worten und muss mit Worten Bilder und Spannung erzeugen, im Leser einen Film ablaufen lassen, also genau das, was auch in Romanen wichtig ist.

Field nimmt natürlich viele Beispiele aus Filmen, nicht alle wird der Leser kennen. Doch er tut das so anschaulich und lebendig, dass auch die Leser folgen können, die den entsprechenden Film nicht gesehen haben, also keine Angst.

Was allerdings befremdlich anmutet, ist die ständige Wiederholung seines Paradigmas von Anfang, Mitte, Ende und Plotpoints, deren Grafik entschieden zu oft im Text auftaucht.

Field ist sich durchaus auch der Gefahr bewusst, seinen Text als festes Regelwerk aufzufassen und warnt davor:
„In den vielen Jahren, die ich als Dozent arbeitete, habe ich festgestellt, dass manche Menschen für alles Regeln aufstellen wollen. Wenn im ersten Akt eines Drehbuchs, das sie gelesen haben, achtzehn Szenen zu finden sind, meinen sie, sie müssten ebenfalls unbedingt achtzehn Szenen in ihrem ersten Akt haben.
[...]
Ich höre zu und gebe immer die gleiche Antwort: ‚Na und?’. Wen kümmert es, ob ihr erster Akt zu lang ist oder der Plot Point auf Seite 19 auftaucht. Man kann ein Drehbuch nicht nach einer strikten Gebrauchsanweisung schreiben.“

Im dritten Teil schließlich geht es darum, was mit dem fertigen Drehbuch am besten geschieht. Das ist natürlich sehr auf den amerikanischen Markt bezogen, manches gilt auch für Deutschland, anderes nicht und hier wäre es gut gewesen, wenn der Verlag ein eigenes Kapitel mit Tipps für den deutschen Markt eingefügt hätte.

Fazit: Leicht zu lesendes Standardwerk, das am besten dort ist, wo es praktisch wird und auch Romanautoren werden eine Fülle nützlicher Tipps darin finden.


Autorenhomepage

Das Drehbuch, Syd Field, Schreibratgeber, Autorenhaus, August 2007
Originaltitel: Screenplay – the Foundation of Screenwriting, aus dem Amerikanischen von Kerstin Winter
ISBN-10: 3866710194, ISBN-13: 978-3866710191, TB, 463 Seiten, Euro 24,90

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