Drache und Diamant. Jugendfantasy.
Kai Meyer, Loewe, Juni 2007

"Einst war die Dunkelheit hier vollkommen. In den Tiefen der Berge, Tausende Meter unter Gletschern und Gipfelschnee, herrschte Schwärze, seit das Gebirge seine Wurzeln in die Welt getrieben hatte.
Jahrmillionenlang war es dunkel geblieben. Und still.
Bis die Drachen kamen.
Der Goldglanz ihrer Schuppen fiel auf Fels, der früher nur Finsternis kannte. Ihr Licht beschien Türme aus Tropfstein, flirrte auf Adern aus Erz und Kristall, weckte eiskalte Seen aus uraltem Schlummer.
In einem dieser Höhlen, getaucht in die Bernsteinglut der Drachen, nahm Niccolo Abschied von Mondenkind."

Niccolo hat die Drachen gefunden, die so plötzlich vom Erdboden verschwunden waren. Sie leben im Inneren der Berge, in den Höhlen des Dongtian. Werden sie Mondenkind heilen, Mondenkind, das sich selbst umbringen wollte, weil es dem Äther verfallen ist?
Auch Nugua findet sich dort, das Mädchen, das in Niccolo verliebt ist, der nur Augen für Mondenkind hat. Nugua hasst diese Liebe, die so überhaupt nicht zu ihr passt, aber ändern kann sie sie nicht. Obendrein wollen die Drachen, bei denen sie aufgewachsen ist, nichts von ihr wissen. Denn was sie vorhaben, das ist gefährlich und sie wollen nicht, dass Nugua stirbt. Doch Nugua hält gar nichts von dieser Fürsorge, sie gehört zum Clan der Drachen und wenn diese im Kampf um die Welt sterben, dann wird sie eben mit ihnen sterben.

Kai Meyer hat den dritten Band seiner Wolkenvolk Triologie vorgelegt. China um 1700, eine Wolke getragen vom Äther, die Leonarda da Vinci konstruierte, Händler in fliegenden Schiffen und chinesische Drachen bilden den Hintergrund; der Äther, der das Weltall beherrscht und nun eine neue Welt schaffen möchte, bedroht diese Welt. Jeder der Figuren des Romans muss sich dem stellen, jeder auf seine Weise, vom jammernden Rattendrachen, der immer Angst hat bis zur Schwertkämpferin, die längst vergessen hat, was Angst ist.

Faszinierend wie der Autor aus da Vincis Zeichnungen, aus chinesischen Sagen und der barocken Weltsicht eine eigene Welt geschaffen hat. Denn den Äther gab es wirklich, zumindest in den Vorstellungen der Wissenschaftler und Alchemisten. Er war es, der angeblich die Ausbreitung des Lichtes ermöglichte, der die Gestirne umgab. Descartes schrieb über ihn, Huygens und Newton und erst mit Einstein verschwand dieses Konzept endgültig aus der Physik. Kai Meyer hat ihn lebendig werden lassen, in seinen Büchern erlangt er Bewusstsein und einen eigenen Willen.

Diese Triologie ist ein absolutes Muss für alle Fantasy Freunde, gleich welchen Alters und auch mancher, der sonst keine Fantasy liest, dürfte bei diesen drei Büchern eine Ausnahme machen. Die Mischung aus Realem und Erfundenem, aus glaubwürdigen Personen und einer spannenden Handlung zeigt, dass Fantasy eben mit Phantasie zusammenhängt und gute Fantasy nicht der Abklatsch der immer gleichen Ideen sein muss.

Homepage des Autors:

Drache und Diamant, Kai Meyer, Jugendfantasy, Loewe, Juni 2007
ISBN: , gebunden, 416 Seiten, Euro 16,90

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