Darkroom. Roman.
Rujana Jeger, C.H. Beck 2004


"Großvater hat das Brot immer beim Albaner gekauft. Eines Tages kaufte niemand mehr Brot beim Albaner. Man wies meinen Großvater darauf hin, auch er solle das unterlassen. Warum? fragten wir. Weil er Albaner ist, sagte Großvater und kaufte das Brot weiterhin beim Albaner."

Morana ist Ende der Sechziger im damaligen Jugoslawien geboren. Ihre Eltern waren Hippies, der Vater, ein Philosophieprofessor, hat immer jüngere Frauen, die Mutter sorgt sich um Löcher in ihrer Aura und die Familie ist eine jugoslawische Patchwork-Familie, chaotisch und liebenswert, westlich und blockfrei sozialistisch. Moranas bester Freund ist schwul und eigentlich weiß sie nicht so genau, was sie selbst ist.

Dann kommt der Krieg und macht Allem ein Ende, verteilt Freunde und Bekannten als Flüchtlinge über die ganze Welt. Die Autorin erzählt das in kurzen Szenen, meist nur eine halbe Seite lang. Und zeichnet damit das Bild einer ganzen Generation, die in einem Europa aufwuchs, das scheinbar keine Kriege mehr kannte und sich plötzlich mit dem Grauen konfrontiert sieht. Traurig ist das, trotzig, manchmal witzig, aber immer gekonnt erzählt. Unbedingt lesenswert.


Über die Autorin: Rujana Jeger wurde 1968 als Tochter der Schriftstellerin Slavenka Drakulic in Zagreb geboren. Sie Studierte Archäologie, lebt in Wien und schreibt für die kroatische Cosmopolitan und Elle. Darkroom ist ihr erster Roman

Darkroom, Roman, Rujana Jeger, Verlag C.H. Beck, 2004
Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert
ISBN 3-406-51706-4, gebunden, € 17,90, 153 Seiten

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