Assassini. Thriller.
Thomas Gifford, Bastei-Lübbe, März 1994

Realistischer Vatikan-Thriller

"Vater brachte einen Geistlichen mit, einen Italiener, der Englisch sprach, allerdings mit starkem Akzent. Val und ich begriffen aber irgendwie, dass Father - oder war er Monsignore - Giacomo D'Ambrizzi in seiner Soutane und den hochschäftigen, ausgebeulten schwarzen Schuhen mit der dicken Sohle eine Kriegstrophäe war, die Vater auf irgendeine seltsame Art und Weise erlegt hatte - ähnlich wie der verstaubte, mottenzerfressene ausgestopfte Bär, der in einereiner Ecke der Rumpelkammer stand."

Der Papst liegt im Sterben und Kardinal D'Ambrizzi ist einer der möglichen Nachfolger. Und Ben Driskill erfährt, dass seine Schwester Val ermordet wurde. Val war Nonne und Journalistin. Sie hatte eine Bombe entdeckt, da ist sich Ben sicher, aber was war der Inhalt? Was wusste sie, das brisant genug war, dass man sie ermodete?

Ben ist der Sohn einer alten neuenglischen Familie mit viel Geld und ehrwürdigen Traditionen. Schon immer waren die Driskills katholisch, in jungen Jahren wollte Ben sogar Jesuit werden. Doch seit zwanzig Jahren hat er keinen Gottesdienst mehr besucht. Jetzt sieht er sich plötzlich wieder mit dieser Kirche konfrontiert, die er längst abgelegt zu haben glaubte.

Die Spuren weisen in die Vergangenheit, in das besetzte Frankreich, in das Papst Pius XII. einen Vertrauten entsandte, mit einer Aufgabe, die geheim war. Pius XII. stand den Faschisten durchaus nahe, aber reicht das, um vierzig Jahre später eine Nonne zu ermorden?

Die einzige Spur ist ein verblasstes Foto mit vier Männern aus dem Jahre 1943. Aber auf der Suche nach den vier Männern stößt Ben auf eine weitere Reihe ungeklärter Todesfälle.

Lange vor Illuminati hat Gifford diesen Vatikan-Thriller geschrieben. Assassini ist spannend, es lässt den Leser nicht los, aber gleichzeitig ist es kein Buch, das man in einer Nacht ausliest. Dazu ist es zu komplex, hat zu viele Figuren, zu viele Handlungen. Immer wieder musste ich beim Lesen innehalten, aber ebenso habe ich immer wieder zu dem Buch gegriffen, dass nach meiner Meinung Illuminati bei weitem überragt.

Denn Gifford begnügt sich nicht mit dem stereotypen Thrillerpersonal, er stellt uns individuelle Menschen vor, lässt die verschiedenen Priester und deren Motive lebendig werden, statt einfach nur Abziehbilder zu benutzen. Und sein Geheimbund, der so phantastisch und frei erfunden wirkt, ist anders als Browns Illuminati sehr, sehr realistisch. Denn die französische katholische Kirche hat im zweiten Weltkrieg sehr eng mit dem faschistischen Vichy-Regime zusammengearbeitet und auch vor Mord schreckte sie nicht zurück.

Fazit: Spannender Thriller mit Niveau, unbedingt lesenswert.

Über den Autor: Thomas Gifford wurde 1937 in Dubuque (Iowa) geboren und begann seine Karriere als Autor von Kriminalromanen. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit dem Vatikan-Thriller Assassini (1991) Die Gesamtauflage seiner Bücher in Deutschland beträgt über eine Million Exemplare Der englische Autor und Kulturkritiker C. P. Snow nannte ihn einen "zeitgenössischen Abenteuerroman in Hochform". Thomas Gifford verstarb am 31. Oktober 2000 in seiner Heimatstadt Dubuque, Iowa.

Assassini, Thomas Gifford, Thriller, März 1994, Bastei-Lübbe
Originaltitel: The Assassini, aus dem Amerikanischen von Wolfgang Neuhaus
ISBN 3- 404135091, Taschenbuch, Seiten, Euro 9,95


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Erscheint bei Lübbe 2006 in dieser Version:



Broschiert - Lübbe
Erscheinungsdatum: März 2006
ISBN: 3404770595
4,95 Euro

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