Poesiealbum der Literatur.
52 Autorinnen und Autoren berichten im Konkursbuch 44 über das Schreiben



"Schreiben scheint bei vielen - nicht bei allen - eine besondere Art des Glücksgefühls zu erzeugen. Professionelle Autoren hingegen sehen offenbar vor allem die Mühe, die es machen kann [...]. Schreiben. Qual und Lust. Ein Wohlschmerz."
Schreiben begleitet uns durch das ganze Leben. Und Tausende, angeblich gar Millionen von Deutschen schreiben Manuskripte. Selten werden diese gedruckt. Aber irgendetwas muss Schreiben doch haben, dass es so beliebt ist? Das "Konkursbuch" hat 52 Autorinnen und Autoren gefragt: Seit wann und warum schreiben Sie?
Daraus resultieren sollte ein Kaleidoskop verschiedenster Gründe für das Schreiben. Herausgekommen ist leider ein Poesiealbum und die Erkenntnis, dass nicht jeder, der schreiben kann, auch übers Schreiben schreiben kann.
Schon Erich Kästner mokierte sich über jene, die beim Dichten rote Bäckchen kriegen und gleich meinen, der Himmel habe eingeheizt. Leider begegnet dieser Autorentyp uns überall auf den Seiten diese Konkursbuches. Dass sie schreiben, weil sie müssen, weil es ihnen wichtig ist, betonen fast alle vertretenen Autorinnen und Autoren. Viele versuchen, diese banale Auskunft mit Metaphern oder gewollt literarischen Texten etwas aufzuhübschen, ändern aber damit an der Grundtatsache nichts. So gestaltet sich die Lektüre spätestens nach zwanzig Seiten sehr mühsam, weil es immer dasselbe in unterschiedlicher Verpackung ist, was dem Leser entgegentritt. Die Lektüre wird zur Qual ähnlich der von Poesiealben.
Dabei gibt es durchaus Perlen in dem Einheitsbrei, die es schaffen, dem Thema individuelle Züge abzugewinnen. Etwa wenn Ulrike Dietmann über das Schreiben von Unterhaltung und Liebesheftchen-Romanen berichtet. Wenn Salean Maiwald von israelischen Schriftstellern erzählt, die, von den Nazis vertrieben, dennoch nur in Deutsch schreiben können - obwohl das in Israel die Sprache der Mörder ist. Wenn Mario Wirz kluge Worte über Betroffenheitsliteratur sucht und findet und darüber, wie sehr seine AIDS-Erkrankung zu seinem Schreibthema wurde. Oder wenn Annette Behr über die Rache ihrer Schreibmaschine berichtet. Letzteres führte dazu, dass ich mir den Band besorgte - ein folgenschwerer Fehler, den ich bald bereut habe.
Denn die große Mehrheit der Beiträge ist leider banal und ein Beweis für die alte Wahrheit, dass nicht alles, was geschrieben wurde, auch gedruckt werden muss. So bringt das Buch kaum neue Erkenntnisse über das Schreiben, wohl aber gepflegte Langeweile hervor.

Leseprobe

Schreiben, Claudia Gehrke & Regina Nössler (Hrsg.), Konkursbuch 44, Verlag Claudia Gehrke, Januar 2006
ISBN 10: 3887692446, ISBN 13: 978-3887692445, gebunden, 319 Seiten, Euro 15,50

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