Abschied von 1001 Nacht, mein Versuch, die Araber zu verstehen.
Ulrich Kienzle, Sagas Edition, Oktober 2011

Abschied von 1001 Nacht

40 Jahre war Ulrich Kienzle Reporter in der arabischen Welt, in Ägypten und dem Libanon. Hat den Aufstieg Saddam Husseins und Gaddafis erlebt, weiß, wie sie als Modernisierer an die Macht kamen und wie sie diese brutal ausgenutzt haben.

Vor allem aber hat er den libanesischen Bürgerkrieg erlebt, wie ein Land in Bomben und MG Salven versank. Geschichten aus dem Leben eines Kriegsreporters, kaum glaubliche Brutalitäten, Clans und Milizen, die nach Belieben morden und wie die Libanesen dennoch weiterlebten, mit Chuzpe, mit Charme und Gewalt.

Kein Buch über den arabischen Frühling, aber ein Buch über die vierzig Jahre davor und gerade deshalb sagt es soviel mehr über die Revolte aus als mancher Augenzeugenbericht.

Aber auch ein Buch über deutsche Fernsehwirklichkeit, von den Anfängen der Sender, den ersten Auslandskorrespondenten, der Politik, die unerwünschte Informationen nicht sehen wollte und deshalb eingriff, als Kienzle erstmals die Zusammenarbeit Israels und der südlibanesischen Armee filmte und prompt aufgrund israelischem Druck nach Südafrika versetzt wurde. Doch nicht für lange. Auch die Realität des ägyptischen Diktators Sadat schildert er, der im Westen so geliebt wurde, weil er Frieden mit Israel geschlossen hatte und über dessen despotisches System man gerne hinwegsah. Dass Sadat aus der Sicht der Ägypter ganz anders aussah, als aus der Sicht europäischer und amerikanischer Außenpolitiker, wollte man in Deutschland und anderswo nicht wahrhaben.

Natürlich ist das Buch nur "Ein Versuch die Araber zu verstehen". Letztendlich ist das genauso schwierig, wie "die Deutschen zu verstehen". Und doch lernt der Leser aus Kienzles Buch weit mehr als aus so manchem anderen, dass nur die gängigen Klischees widerkäut.

Spannend wie ein Thriller, mit kaum glaublichen Szenen und gleichzeitig eine Einführung in die arabische Welt und deren Geschichte: Was will der Leser mehr?

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